{"id":9582,"date":"2024-11-10T18:28:42","date_gmt":"2024-11-10T17:28:42","guid":{"rendered":"https:\/\/kfv-mol.de\/Wordpress\/?p=9582"},"modified":"2024-11-10T18:28:43","modified_gmt":"2024-11-10T17:28:43","slug":"ein-tag-um-mauern-einzureissen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/kfv-mol.de\/Wordpress\/Artikel\/ein-tag-um-mauern-einzureissen\/","title":{"rendered":"Ein Tag um Mauern einzurei\u00dfen"},"content":{"rendered":"\n<p>Ein Tag um Mauern einzurei\u00dfen<\/p>\n\n\n\n<p>Gestern war der 09.11.2024, ein historisches Datum f\u00fcr die Einen, ein emotionaler Teil des Lebens f\u00fcr die Anderen!<\/p>\n\n\n\n<p>Viele von uns erlebten eine Zeit, in der es zwar keinen eklatanten Mangel an lebenswichtigen G\u00fctern gab, aber etliche&nbsp;&nbsp;Dinge, die man ben\u00f6tigte einfach nicht ohne Weiteres zu bekommen waren.<\/p>\n\n\n\n<p>So wurde aus jedem zuk\u00fcnftigen H\u00e4uslebauer ein Klosch\u00fcssel-, Fliesen- und Sanit\u00e4r-J\u00e4ger und Sammler s\u00e4mtlicher m\u00fchsam beschaffter und zusammengetauschter Artikel, um endlich in 2-5 Jahren mit dem Projekt \u201eEigenheim\u201d beginnen zu k\u00f6nnen.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Man lernte kaputte Dinge zu reparieren und nicht alles wurde einfach so in die Tonne gedonnert, sowohl im materiellen als auch im \u00fcbertragenen Sinn!<\/p>\n\n\n\n<p>Die alten Zeiten waren nicht immer rosig, aber zwei Dinge wurden auch damals gro\u00df geschrieben: \u201cKameradschaft und Hilfe\u201d<\/p>\n\n\n\n<p>Man war f\u00fcreinander da, es wurde gefeiert, geteilt, gelacht und gelitten, aber Regen stehen gelassen wurde niemand.<\/p>\n\n\n\n<p>So unterschiedlich die Emotionen auch sind, welche mit diesem Tag verbunden werden, so zahlreich sind die pers\u00f6nlichen Einblicke, die einzelne Kameraden vor 35 Jahren gesammelt haben.<\/p>\n\n\n\n<p>Einige haben wir hier zusammengetragen!<\/p>\n\n\n\n<p>Ren\u00e9 Kruschke erinnert sich:<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eZur Zeit des Mauerfalls war ich 17 Jahre alt und im zweiten Lehrjahr bei der Deutschen Reichsbahn. Am 9. November habe ich von der Grenz\u00f6ffnung noch gar nichts mitbekommen; erst am n\u00e4chsten Tag auf dem Stellwerk erfuhr ich davon. Ich konnte es gar nicht glauben, bis ich es sp\u00e4ter selbst im Fernsehen gesehen habe. \u00dcber den Fall der Mauer war ich sehr gl\u00fccklich, da dadurch Besuche bei meinen Verwandten im Westen m\u00f6glich wurden. Am darauffolgenden Wochenende bin ich mit meiner Mutter in Berlin \u00fcber den Grenz\u00fcbergang Checkpoint Charlie nach Westberlin gefahren, um das Begr\u00fc\u00dfungsgeld abzuholen. Gekauft haben wir nicht viel, wir haben uns erstmal umgeschaut. Im Januar 1990 bin ich dann nach Uelzen in den \u201erichtigen Westen\u201c zum Geburtstag meiner Tante gefahren. Der Wunsch dauerhaft nach \u201eDr\u00fcben\u201c&nbsp;&nbsp;zu gehen bestand nie. Die regelm\u00e4\u00dfigen Besuche haben mir ausgereicht. Wenn ich heutzutage Bilder und Berichte vom Mauerfall sehe, bekomme ich immer noch G\u00e4nsehaut.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Ein weiterer Kamerad berichtete von einem gem\u00fctlichen Fernsehabend mit seinem Schwager, als die Nachricht vom Mauerfall dort \u00fcbertragen wurde. Diese Neuigkeit wurde zur Kenntnis genommen, aber nicht wirklich verarbeitet. Zu dieser Zeit waren die Eltern selbst gerade im \u201ekapitalistischen Feindland\u201c zum runden Geburtstag einer Verwandten.<\/p>\n\n\n\n<p>Am n\u00e4chsten Tag gings zur Arbeit und da d\u00e4mmerte ihm langsam, dass es sich gestern bei dem Gesehenen im Flimmerkasten nicht um \u201eFake-News\u201c handeln konnte. Wenige Tage sp\u00e4ter ging es dann \u201eR\u00fcber\u201c.<\/p>\n\n\n\n<p>Christian Schmeller erinnert sich wie folgt:<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eIch sa\u00df im Wohnzimmer und im Fernsehen ging es drunter und dr\u00fcber, weil die Mauer gefallen war. Ich war damals 12 Jahre und bin in einem recht abgekl\u00e4rten Elternhaus aufgewachsen. Glauben wollte ich diese Neuigkeit zwar, aber verarbeiten konnte ich sie noch nicht. Am n\u00e4chsten Tag holte mich meine Schuldirektorin aus der Klasse, um mich meinem Bruder zu \u00fcbergeben, der am Lehrerzimmer wartete. Ihre Worte waren:<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eDeine Eltern wollen mit Euch verreisen\u2026.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Dann ging es mit wehender Deutschlandfahne am Auto in den Westen.<\/p>\n\n\n\n<p>Noch heute werden die Augen feucht, wenn ich an die Ereignisse von damals denke.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Wilhelm Piskol war seit 1955 als Feuerwehrmann in Strausberg aktiv und bereichert mit seinem Wissen und der jahrzehntelangen Erfahrung nun unsere Alters- und Ehrenabteilung.Den Mauerfall erlebte er,wie so viele , ebenfalls am Fernseher. Allerdings war schon Tage vorher in der Abteilung Feuerwehr eine Umbruchstimmung zu bemerken, ohne jedoch zu wissen wo diese her kam. Die Genossen wussten sich keinen Rat und im Nachgang staunte man nicht schlecht, dass sich besagte geladene Atmosph\u00e4re durch den Mauerfall erkl\u00e4ren lie\u00df.<\/p>\n\n\n\n<p>So unterschiedlich unsere gelebten Jahre auch sein m\u00f6gen, die Erlebnisse von Damals haben gepr\u00e4gt und man besinnt sich heute auf das was war, aber auch auf das, was wir im Hier und Jetzt erleben.<\/p>\n\n\n\n<p>Ja, Zeiten \u00e4ndern sich, kommen und gehen und hinterlassen ihren h\u00f6chst eigenen Stempel in unseren Erinnerungen.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Man sinniert \u00fcber die sch\u00f6nen Erlebnisse in der Feuerwehr, im Sport oder mit der Familie, aber gedenkt auch den gefallenen Opfern an der Mauer und den jahrelang zerrissenen Familien, die durch die Grenze getrennt wurden.<\/p>\n\n\n\n<p>Zwei Dinge jedoch haben die Zeiten \u00fcberdauert und weder Mauer noch Grenze konnten ihnen gef\u00e4hrlich werden :<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eKameradschaft und Hilfe\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>In diesem Sinne lasst uns auch in Zukunft Mauern einrei\u00dfen, zusammenstehen, einander unterst\u00fctzen und Leben retten, denn das ist, was uns alle ausmacht.<\/p>\n\n\n\n<p>Wir waren Kameraden fr\u00fcher und sind es noch heute!<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ein Tag um Mauern einzurei\u00dfen Gestern war der 09.11.2024, ein historisches Datum f\u00fcr die Einen, ein emotionaler Teil des Lebens f\u00fcr die Anderen! 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